Das alles ist Familie

Wie divers ist eigentlich Eure Nachbarschaft? Bei Lars und Lina im Meisenweg wohnen jedenfalls eine Menge Familien, die unterschiedlicher nicht sein könnten! ⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀⠀
"Das alles ist Familie", erschienen bei arsEdition ist das erste Buch, das von einer Vielzahl von Familienformen im Rahmen einer Geschichte erzählt.

Lars entdeckt vor seiner Haustür ein Päckchen. Leider ist die Anschrift bis auf "Familie" und "Meisenweg" nicht mehr zu entziffern. So begibt sich Lars gemeinsam mit dem Nachbarsmädchen Lina auf die Suche nach den Besitzer*innen des Päckchens, ein Mal quer durch den Meisenweg. Und dabei lernen sie eine Menge verschiedener Familien kennen! 

Sarah lebt gemeinsam mit Mama und Mami. Paul ist Teil einer Patchworkfamilie mit vier Kindern. Frau Perišić kommt aus Spanien, ihr Mann aus Kroatien, gemeinsam haben sie zwei Kinder. Die Familie Jakobs lebt mit zwei Generationen und sieben Kindern unter einem Dach. Frau Terkowski und Herr Schröder sind nicht verheiratet und Eltern von Zwillingen. Max und Ina Peters können keine Kinder bekommen und haben Malaika adoptiert. Annas lebt mit ihrem Vater zusammen, ihre Mutter kam bei einem Autounfall ums Leben. Im Gespräch mit Anna offenbart Lars schließlich, dass sich seine Eltern getrennt haben und wird von Lina getröstet. Ihr fragt Euch, wem denn nun eigentlich das Päckchen gehörte? Das verrate ich Euch nicht, das dürft Ihr selbst herausfinden :) Hinten im Buch findet sich eine Kurzbeschreibung jeder Familie (hier werden auch 'Samenspende' und 'Flucht' kurz angerissen) sowie Platz für das Foto der eigenen Familie.
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Schon das Cover von "Das alles ist Familie" spricht durch die abgebildete Diversität an. Erwachsene und Kinder unterschiedlicher Hauttöne werden gezeigt, ein Sohn der Patchworkfamilie sitzt im Rollstuhl.
Patchworkfamilien, Kinder mit verstorbenen Elternteilen und weiße Eltern Schwarzer Kinder sind in Kinderbüchern nahezu unauffindbar, auch Regenbogenfamilien und binationale Familien sind deutlich unterrepräsentiert. Hier ist "Das alles ist Familie" in jedem Fall eine Bereicherung für Kinderbücherregale, da das Buch Identifikationsfiguren für sehr viele Kinder bietet.
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Kritisch sehe ich an einigen Stellen die Reproduktion von Othering. So fragt Lars  die weiße Adoptivmutter des Schwarzen Kindes Malaika, ob sie nicht "die richtigen Eltern" wären. Den Nachnamen " Perišić" vorzulesen, ist den Kindern "zu kompliziert". Sarah, die Tochter der beiden Mütter, begrüßt Lars mit der Frage "Seid Ihr wirklich eine Familie?". Insbesondere für betroffene Kinder, die selbst in solchen Familienformen leben und denen diese Fragen schon mehrfach begegnet sind, wären eine offene Neugierde der Kindern ohne othernde Nachfragen wünschenswert. Wir lassen daher Teile beim Vorlesen weg oder formulieren um. Das große Kind liebt das Buch, insbesondere wegen Familie Peters ("Schau mal, bei Malaika ist es fast wie bei uns!").

Autor: Michael Engler
Illustratorin: Julianna Swaney 
Verlag: ars edition 
Altersempfehlung des Verlags: ab 4 Jahren
ISBN 978-3-8458-3706-2